Berichte der Zeitung aus dem Jahr 1997 1998
 
TV Flieden – FT Fulda 23:30 (11:10) Sieg für FT Fulda beim Tabellenführer

Die Bastion wurde gestürmt: Mit 30:23 besiegte FT Fulda auswärts das Team des bis dato ungeschlagenen Tabellenführers aus Flieden und setzte den Aufwärtstrend in der Handball-Bezirksliga fort.
„Meine Mannschaft hat sich an die von mir vorgegebene defensiv ausgerichtete Marschroute gehalten und im Endeffekt verdient gewonnen, so das Fazit des zufriedenen Fuldaer Coachs Thomas Okrusch nach dem Schlußpfiff. Eine Aussage, die vor allem auf die zweite Spielhälfte zutrifft, da in den ersten 30 Minuten die rund 280 Zuschauer eine ausgesprochen ausgeglichene Partie zu sehen bekamen. Sowohl das junge dynamische Team aus dem „Königreich“ als auch die routinierten Spieler aus Fulda gingen zwar durchaus engagiert zu Werke, eine konsequent durchgeführte spielerische Linie war auf beiden Seiten nicht zu erkennen. Immer wieder waren es Einzelaktionen, wie zum Beispiel die wuchtigen Würfe aus dem Rückraum von Fliedens Daniel Achim, die zum Torerfolg führten.
Beim Stande von 10:11 ging es schließlich in die Halbzeitpause. Auch im zweiten Spielabschnitt stellte sich keine Verbesserung des spielerischen Niveaus ein. Kampf und Aggressivität bestimmten die Partie. Während es Fulda gelang, die sich bietenden Torchancen zu verwerten, schien für Flieden das Tor wie vernagelt zu sein. Ein rascher 15:18-Rückstand war die Folge. Durch übertriebene körperliche Härten, Hektik und einige unglückliche Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns verlor das Team von Trainer Lothar Höller völlig den Faden und mußte einen Torerfolg nach dem anderen der Gäste hinnehmen.
„Die 23:30-Niederlage ist sicherlich zu hoch ausgefallen. Die geschlossenere mannschaftliche Leistung hat zum Erfolg geführt“, zog der Fliedener Coach sein Resümee.
TV Flieden: Hering, Kullmann; Best (2), Kunze, Burmann (3), Schöppner, Herbert, Achim (12/7), Auth (2), Weißmüller (1), Bach (1), Müller (2).
FT Fulda: Krause, Walter; Kuhnke (1), Okrusch, Troßbach (8), Günkel (2), Flamme (6), Mestrovic (2), Baran (10/2), Hampl (1).
Schiedsrichter: Schneider (Ausbach), Schulz (Heringen).
Zuschauer: 280.
Beste Spieler: Achim – Baran, Troßbach. (FZ vom 14.12.1997)

 
SG Petersberg – FT Fulda 31:26 (17:10) Starker Rückraum
In einer keineswegs berauschenden Handball-Bezirksligapartie behauptete die SG Petersberg gegen den Rivalen FT Fulda mit 31:26 (17:10) die Tabellenführung. Lediglich gegen Ende des Spiels kam die „Turnerschaft“ noch einmal stärker auf.
Gleich zu Beginn gingen die Petersberger dank einer konzentrierten Abwehr, die mit Torwart Michael Medler einen sicheren Rückhalt hatte, mit 4:0 in Führung und hielten sich an die Marschroute von Trainer Rainer Kemmerzell. Erst ab der siebten Minute kam FT Fulda durch zwei Rückraumtore von Daniel Flamme etwas auf, aber Petersberg hatte zu jeder Zeit den Gegener unter Kontrolle. Jürgen Kapitz und Christian Schmidt erwiesen sich dabei als wertvolle Aufbauspieler und Vollstrecker, die FT Fulda nicht in den Griff bekam. Die von Spielertrainer Thomas Okrusch angeordente Manndeckung kam zu spät.
Überhaupt boten die Gastgeber mit schnellem Spiel und zügigem Umsetzen von Abwehr in Angriff im Gegensatz zu ihrem Gegner die reifere Leistung. Bis zur Halbzeit baute Petersberg die Führung sicher aus und ging auch im im zweiten Durchgang gleich wieder konzentriert zur Sache. Petersberg war auf allen Positionen ausgeglichener besetzt. Zu jeweils vier Treffern kamen dabei von den Außenpositionen Dirk Kemmerzell und Frank Scherdin. FT hingegen agierte viel zu statisch, lediglich von Wasiliy Baran, der aber wegen einer Leistenzerrung gehandicapt war, gingen Impulse aus. Beim 30:20 (50.) war das Spiel gelaufen. Petersberg ließ nun die Zügel etwas schleifen. Dies nutzte FT, kam zu sechs Toren in Folge und gestaltete das Ergebnis etwas freundlicher.
SG Petersberg: O. Ebert, Medler; D. Kemmerzell (4), Schmidt (8), Fleiter, P. Sujer (2), Chr. Ebert (1), Scherdin (4), Bellinger (2/1), A. Sujer, Kapitz (10/6).
FT Fulda: Krause, Walter; Kuhnke (3), Okrusch (3), Troßbach (1), Günkel, Flamme (2), Mestrovic (1), Baran (9/4), S. Hampl (3), J. Hampe (4).
Schiedsrichter: Becker/Lerch (Brauerschwend).
Zuschauer: 120.
Beste Spieler: Schmidt, Kapitz – Okrusch.
Bes. Vorkommnis: Rote Karte A. Sujer (44.) wegen Tätlichkeit. (FZ vom 19.10.1997)
 
FT Fulda – Hünfeld 25:25 (12:7) Hünfelder Paukenschlag
Für die größte Überraschung des fünften Spieltages der Bezirksliga sorgte der Hünfelder SV: Das Team von Trainer Michael Wald entführte verdientermaßen einen Punkt aus der Gellingshalle und brachte die Fuldaer Turnerschaft mit dem 25:25 ins Grübeln.
In einer farbigen Begegnung verdiente sich der HSV durch seine große Moral den Punktgewinn. Es trafen bei FT Baran (9), Flamme (5), Hampl, Mestrovic (je 3), Günkel, Troßbach, Okrusch, Kuhnke und K. Engebrecht sowie bei Hünfeld Wehner, Hoffmann (je 5), Schabel (4), Möckel (3), Plüschke, Baumgart, Hengstenberg (alle 2), Felix und Resch. (FZ vom 12.10.1997)
 
FT Fulda neu formiert     Titelanwärter ist Großenlüder
Kein direkter Aufstieg des Meisters und im schlimmsten Fall vier Absteiger: Das sind die gravierendsten Änderungen in der Ausschreibung der Handball-Bezirksliga-Saison. Diese werden bedingt durch die Neuordnung der Regionalligen im kommenden Jahr. Sollten Schlüchtern und Hersfeld den Klassenerhalt in der Oberliga nicht schaffen und der Bezirksliga-Meister gleichzeitig den Aufstieg verpassen, müßten vier Mannschaften absteigen. Der Bezirksmeister muß sich seine Qualifikation zur Oberliga erst noch in einer Aufstiegsrunde mit anderen Meistern erspielen.
Mit dem selbem Aufgebot wie im letzten Jahr, verstärkt mit Heiko Euler von Angersbach/Maar, ist der SSV Großenlüder sicherlich die Mannschaft, die es zu schlagen gilt. Nach der letztjährigen Vizemeisterschaft wollen die SSVler nun nach ganz oben: „Wir wollen besser abschneiden als letztes Jahr“, formuliert Trainer Jürgen Kemmerzell das Saisonziel. Die Hauptkonkurrenten sieht er in Obersuhl und Petersberg sowie mit Abstrichen Eitra.
Sein Bruder, Rainer Kemmerzell, möchte in dieser Saison unter die ersten Vier der Tabelle. Mit Rückraumspieler Christian Schmidt aus Duderstadt, der bereits über Regionalliga-Erfahrung verfügt, hat sich die SG Petersberg auch dementsprechend verstärkt
Auch der TV Flieden hat sich einen Mittelfeldplatz mit Tendenz nach oben vorgenommen. Zwar stehen Torwart Ralf Recktenwald (Neuhof), Peter Rau und Alexander Seng (beide aufgehört) nicht mehr zur Verfügung, doch von FT Fulda wechselten Rückraumspieler Daniel Achim und Torwart Marcus Hering ins Königreich. Außerdem steht ein neuer Mann an der Seitenlinie. Lothar Höller, der letztes Jahr Schlüchtern coachte, löste Hans-Jürgen Arnold ab, der zum TV Neuhof ging.
Kleine Brötchen backt man beim letztjährigen Vierten, FT Fulda. Mit Christian Cojocaru, Alexander Militaru (beide Stuttgarter Raum), Daniel Achim und Torwart Marcus Hering (beide TV Flieden) gingen gleich vier Spieler aus dem Stamm der vergangenen Runde. Thomas Okrusch, der als Spielertrainer die Mannschaft mit jungen, vereinseigenen Spielern auffüllte und als einzigen Neuzugang Tobias Günkel von der SG Petersberg vermelden kann, möchte unbedingt die Klasse halten.
Der Hünfelder SV steht vor einer sehr schweren Saison. Trainer Michael Wald will trotz den Abgängen Frank Mehlmann und Martin Beyer (beide aufgehört) den Abstieg vermeiden. Zwar verfüge er über einen Stammsechser, doch der Rest werde sich ständig ändern.
Beim Aufsteiger Schlitz hat man einen neuen Trainer verpflichtet. Franz Seidel wechselte vom TV Neuhof in den Vogelsbergkreis und löste Georg Müller ab. Einem Neuzugang (Kai Pussel aus Lauterbach) stehen die drei Abgänge Stefan Langstein, Swein Riesbakken und Bernd Heil gegenüber. Saisonziel ist der Klassenerhalt.
Steinaus Trainer Markus Meckl hat mit den drei Neuzugängen Germann Hann, Markus Brandes und Seree Lang (alle Altenhaßlau) eine schlagkräftige Truppe beisammen. Abteilungsleiter Heinz Kreile fordert daher mindestens das gleiche Abschneiden wie im Vorjahr. (FZ vom 12.09.1997)
 
Die Einstellung fehlt     Nachwuchsprobleme haben mannigfaltige Gründe

Trainer beklagen sich über zu wenige Spieler, Vereine müssen zum Teil tief in die Taschen greifen, um ihre Seniorenmannschaften mit qualitativ hochwertigem Personal zu besetzen. Grund: Das Interesse der Jugendlichen am Handball im speziellen und am Sport im allgemeinen ist in den letzten Jahren geschrumpft.
Auch die heimischen Vereine mußten diesem Trend Rechnung zahlen, was in der Bildung von Jugendspielgemeinschaften seinen Ausdruck findet. Zwei dieser Clubs sind der TV Steinau und die SG Schlüchtern. Seit einem Jahr existiert ein Zusammenschluß. Steinaus Abteilungsleiter Heinz Kreile hält dies für sinnvoll, schließlich seien sieben oder acht Leute einfach zu wenig, um eine Runde zu bestreiten.
Zum einen gebe es heute ein viel zu großes Freizeitangebot, zum anderen würden in der Schule zu wenig und zu oberflächlich die Ballsportarten behandelt, erklärt Kreile. Hierdurch würden die Jugendlichen nicht nur am Handball, sondern auch in anderen Bereichen ihr Interesse verlieren. Außerdem spiele auch der Erfolg und die Klasse der ersten Mannschaft eine große Rolle, ganz zu schweigen von der fehlenden Einstellung und dem mangelndem Ehrgeiz. Manche seien einfach zu „mimosenhaft“, so Kreile.
Ähnliche Ansichten vertritt auch der Jugendwart von FT Fulda, Siegfried Scholz. Die oberflächliche Behandlung im Schulsport und das Überangebot an Freizeitaktivitäten seien die Hauptursachen. Hinzu käme, daß Eltern ihr Hauptaugenmerk auf die schulischen Leistungen ihrer Kinder richteten, wodurch der Sport in den Hintergrund gedrängt werde. Viele Eltern hätten kein Interesse am Sport und am Vereinsleben.
Zudem sieht Scholz auch in der Erziehung einen wichtigen Faktor. Die wenigsten seien bereit, sich voll zu engagieren. Hier sieht auch Egon Wehner, Abteilungsleiter der SG Hainzell, die seit fünf Jahren mit dem SSV Großenlüder in einigen Klassen fusioniert, einen Ansatz. Man solle die Schuld nicht nur bei den Jugendlichen suchen, denn die Erziehung habe großen Anteil daran, ob ein Kind mehr aufs Ego bedacht sei oder sich in eine Gemeinschaft einfügen könne. Dem Zeitgeist entsprechend könne man auf Dauer viele Jugendliche nicht in das
Vereinsleben integrieren, da sie sich „nur wenig sagen lassen“.
Einen Lösungsansatz verbindet Wehner mit erhöhtem Zeitaufwand der ehrenamtlich tätigen Jugendbetreuer. Doch dies sei auf die Dauer eben nicht möglich. Aus diesem Grund fusioniert man seit fünf Jahren mit dem SSV in Bereichen, wo es gerade nötig ist. Es sei eine Zweckgemeinschaft, um die Jugendlichen bei der Stange zu halten und ihnen eine Spielmöglichkeit zu bieten. (FZ vom 26.08.1997)